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Das Leben ist kurz…

Am Mittwoch wurde ein alter Weggefährte zu Grabe getragen, den ich seit über 20 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Und doch hat er mein Leben maßgeblich inspiriert: Ohne ihn hätte ich meinen wichtigsten Wert – Freiheit – nicht entdeckt und letztendlich wäre ich ohne ihn vermutlich keine Unternehmerin geworden.

Die Philosophin Natalie Knapp hätte unsere Begegnung vielleicht als „magischen Moment“ bezeichnet. Sie sagt: „Magische Momente markieren einen Wendepunkt in unserem Leben. Sie treffen uns ungeplant für eine Sekunde, eine Minute oder länger. Magische Momente sind Augenblicke tiefer Berührung, in denen das Leben auf eine Weise zu leuchten beginnt, die wir vorher nicht kannten. Und oft haben sie einen hohen persönlichen Erkenntniswert. In magischen Momenten verbirgt sich der Zauber des Lebens. Er hält sich jeden Tag bereit, nur nehmen wir ihn viel zu selten wahr. Weil uns Routine im Wickel und Druck im Griff hat. Weil wir zu gern auf der vertrauten Spur weiter wollen… Magische Momente erlebt jeder. Mehr oder weniger bewusst. Nur lassen wir ihnen oft keine Chance, sich zu entfalten.“

Magische Momente sind jedoch nicht nur die, in denen sich das Leben von der besten Seite zeigt. Im Gegenteil, häufig erleben wir wichtige Wendepunkte gerade in der Krise, in schlechten Zeiten. Denn diese reißen uns aus der gewohnten Bahn, aus der Routine. Sie zwingen uns zum Umdenken. Und uns wird (wieder) bewusst, was im Leben wirklich zählt.

Und so hatte ich auch am vergangenen Mittwoch einen „magischen Moment“: Unglaublich viele alte Bekannte und Freunde waren zusammen gekommen, um Abschied zu nehmen. Und gleichzeitig, um ein Leben zu feiern und zu würdigen. Viele hatten unseren alten Weggefährten – wie ich – seit Jahren oder Jahrzehnten nicht mehr gesehen. Und nun wurde uns allen plötzlich wieder bewusst, in welch nachhaltiger Weise dieser Mensch unser Leben geprägt hatte: Einige verdanken ihm „die schönsten Jahre ihres Lebens“. Andere berichteten, dass sie durch ihn den Mann bzw. die Frau ihres Lebens kennengelernt haben. Viele von uns hat er dazu inspiriert eigene Unternehmen zu gründen. Unglaublich viele Menschen hatte unser alter Weggefährte ermutigt. Hatte maßgeblich zu Wendepunkten in ihrem Leben beigetragen.

Und so riss mich also die plötzliche Nachricht von seinem Tod aus meiner Routine und brachte mir die folgenden Aspekte wieder ins Bewusstsein:

#1 Wenn heute der letzte Tag meines Lebens wäre…

Steve Jobs schrieb in seiner Biographie: „In den letzten 33 Jahren habe ich jeden Morgen in den Spiegel geschaut und mich gefragt: ‚Wenn heute der letzte Tag meines Lebens wäre, würde ich auch das machen wollen, was mir heute bevorsteht?‘ Und wenn die Antwort für zu viele Tage am Stück ‚Nein‘ lautete, wusste ich, dass ich etwas ändern musste.“ Steve Jobs starb mit 56. Unser Weggefährte wurde gerade mal 58 Jahre alt. Sein früher Tod ist wie ein Appell, aus ganzem Herzen zu leben und jeden Tag, jeden Moment zu genießen. Also: Halte die Routine immer mal wieder an, schaue nach Innen und frage dich: „Lebe ich das Leben, das ich führen möchte?“

#2 Lebe dein Leben…

Bei der Verleihung der Auszeichnung „Men of the year“ des renommierten Time Magazins – vermutlich eine der größten Auszeichnungen, die man in seinem Leben erhalten kann – sagte der amerikanische Medienunternehmer Ted Turner, Gründer von CNN, mit tränenerstickter Stimme: „Reicht dir das, Daddy?“ Und später: „Erst heute ist mir bewusst geworden, dass ich 60 Jahre meines Lebens nur dafür gelebt habe, der zu werden, den mein Vater immer in mir sehen wollte. MEIN Leben beginnt erst heute.“

Oftmals leben wir das Leben anderer. Wir sind bestimmt von unseren kindlichen Glaubenssätzen und Überzeugungen. Diese Prägungen in mehr oder weniger förderlicher Art haben wir alle. Nur ist uns dies häufig nicht bewusst. Und wir sind da in prominenter Gesellschaft. Das Beispiel von Ted Turner zeigt, welche Macht diese Prägungen über uns haben und welchen Preis wir manchmal dafür zahlen.

Es lohnt sich einmal genauer hinzuschauen und zu entdecken, wo wir vielleicht noch in unseren alten Verstrickungen gefangen sind. Und diese aufzulösen. Damit wir wirklich unser Leben leben und unser Potential zur Entfaltung kommen kann.

#3 Was in (d)einem Leben wirklich zählt…

Die Australierin Bronnie Ware arbeitete viele Jahre lang mit Sterbenden und immer wieder hörte sie die Sätze: „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben“ und „Ich wünschte, ich hätte nicht soviel gearbeitet“, „Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrecht erhalten“, „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken“, „Ich wünschte mir, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein“. Sei mutig. Tue das, was du in deinem Leben wirklich willst. Was für dich zählt. Damit es am Ende des Lebens nichts zu bereuen gibt und du zu den Menschen gehörst, die mit einem Lächeln im Gesicht gehen können. Bronnie Ware hat über ihre Erfahrungen ein gutes Buch geschrieben: 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen.

#4 Nutze den Tag… aber richtig!

Wir betrachten die Zeit linear als eine Abfolge von Stunden, Minuten und Sekunden. Unser Kopf sagt uns, dass wir Zeit verlieren, wenn wir sie nicht „richtig“ nutzen. Denn unsere „Zeit ist Geld“. Doch unsere gefühlte Lebenszeit entspricht nicht der Uhrzeit. Wir erinnern uns an Momente, die wir besonders intensiv – mit all unseren Sinnen – erleben. Die von uns gefühlte Zeit ergibt sich aus unserem inneren Rhythmus – unserem Herzschlag und Atemrhythmus, der Tiefe und Vielfalt unsere Sinneswahrnehmungen und unserer Gefühle. Zu diesem Schluss kommt ein Forscherteam der Universität München.

„Denn so wie ihr Augen habt, um das Licht zu sehen und Ohren, um eine Klingel zu hören, so habt ihr ein Herz, um damit die Zeit wahrzunehmen“. So sagt es schon Meister Hora zu Momo im berühmten, gleichnamigen Roman von Michael Ende. „Im Abarbeitungs- und Erledigungsmodus ist unsere Lebenszeit verloren. Sie eilt vorüber, aber sie lässt nichts zurück, wenn wir dauerhaft durchs Leben hasten. Statt Zeit einzusparen, versickert sie in Wirklichkeit unbemerkt. Ganze Jahre können uns auf diese Weise entgleiten…“ sagt die Philosophin Nathalie Knapp.

Der Bewusstseinsforscher Jean Gebser schreibt dazu: „Ich habe keine Zeit“ – dieser millionenfache Ausspruch des heutigen Menschen ist symptomatisch. Der es sagt, glaubt, er spräche von der Uhrzeit. Wie würde er erschrecken, realisierte er, dass er im gleichen Augenblick auch sagt: „Ich habe keine Seele“. Und: „Ich habe kein Leben“. Also: Steige möglichst oft aus, aus dem Abarbeitungs- und Erledigungsmodus und schaffe Raum für Fülle und Intensität in deinem Leben!

#5 Sei du selbst…

Unser alter Weggefährte war kein einfacher Mensch. Im Gegenteil. Er war häufig schräg und alles andere als angepasst. Und vielleicht war es gerade das, was ihn besonders auszeichnete. Denn er traute sich was. Und schaffte vielleicht genau deshalb vieles, was zunächst unmöglich schien. Er blieb den Menschen in Erinnerung, gerade weil er so unangepasst war. Und er hatte den Mut, er selbst zu sein, egal, was alle anderen von ihm dachten. Sei also du selbst! Jedoch: Der zu sein, der du bist, bedeutet auch, es nie allen Recht machen zu können. Und deinen eigenen Weg zu gehen. Authentisch zu sein. Das erfordert Mut. Eine gute Freundin schrieb mir einmal dazu: „Nicht jeder wird deine Reise verstehen. Das ist in Ordnung. Es ist nicht ihre Reise, die Sinn machen soll, es ist die Deine.“

#6 Das Glas ist halbvoll… oder ganz voll?!

„Eine Sache ist niemals so beschissen, dass man nicht etwas Geiles draus machen kann.“ Zugegebenermaßen etwas derbe für den einen oder anderen Geschmack, aber so lautete einer der Wahlsprüche unseres alten Weggefährten. Das Leben liefert mir das, was ich in ihm sehen will. Und oftmals liegt das größte Potential in vermeintlich schlechten Ereignissen. Die rückblickend – dann wenn sich die Punkte verbinden – manchmal zu den wegweisenden, besten Ereignissen unseres Lebens werden. Es lohnt sich darauf zu vertrauen, dass alle Ereignisse ihren Sinn haben und ich etwas Gutes daraus machen kann, auch wenn sich mir dieser Sinn nicht immer sofort erschließt. Es lohnt sich mit einer positiven Einstellung das Leben zu betrachten und in die Welt hinaus zu gehen. Denn das, was ich ausstrahle, kommt auf wundersamen Wegen häufig zu mir zurück.

#7 Sei Blickpunktgeber! Inspiriere und begeistere Menschen…

Unser alter Weggefährte hat unglaublich viele Menschen inspiriert und begeistert. Und er hat das Leben von so vielen Menschen geprägt und im positiven Sinne maßgeblich beeinflusst. Ich glaube, wer dies von sich sagen kann, der hat nicht umsonst gelebt. Der hinterlässt etwas, was größer ist als er selbst.

#8 …sage den Menschen, wie bedeutsam sie für dein Leben sind!

Unserem alten Weggefährten war vermutlich nicht bewusst, wie viele Menschen er mit seinem Leben berührt hat. Wie einflussreich er für das Leben von so Vielen war. Vermutlich wäre er sehr erstaunt gewesen, wie viele Menschen zusammen kamen, um Abschied zu nehmen. Und wäre es nicht schön gewesen, wenn er es noch zu Lebzeiten gewusst hätte? Es lohnt sich ab und zu mal Inne zu halten und darüber nachzudenken, welche Menschen in deinem Leben von Bedeutung sind. Und es ihnen mitzuteilen. Vielleicht auch sich zu Bedanken und die eigene Wertschätzung zu zeigen. Denn das Leben ist kurz. Manchmal zu kurz. Und dann ist es dafür zu spät. Teile mit, was dich bewegt. Was du fühlst. Immer wieder und im Überfluss. Damit du später nicht feststellen musst: „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken“.

Das Leben ist kurz. Manchmal zu kurz. Und dennoch: Auf diese Weise betrachtet, können sogar Ereignisse, die uns die Endlichkeit unseres Lebens aufzeigen, vielleicht – mit etwas Abstand – dazu beitragen, unser Leben bewusst(er) zu leben. Und vielleicht ist es ein tröstlicher Gedanke, dass auch in einem traurigen Abschied das Potential für Weiterentwicklung und Gutes liegen kann? Ich denke unser alter Weggefährte hätte sich dies gewünscht.

Autorin: Anja Dejoks

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