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Wenn die Tasse voll ist – Eine weise Zen-Geschichte

Ein Professor der Philosophie aus einem westlichen Land stammend reiste einmal in ein fernes Land. Er traf spannende Menschen und Gelehrte. Er stellte sich viele Fragen. Fragen nach Meditation und Gott, nach dem Sinn des Lebens und der Unendlichkeit. Doch er fand keine Antworten. Eines Tages wanderte der Professor immer weiter hoch in die Berge. Plötzlich stand er vor dem einfachen Haus eines Zen-Meisters.

Dieser lud den westlichen Mann zu sich ein. Der Professor sprudelte nur so vor Fragen und Wissensdurst. Er zählte dem Meister seine akademischen Titel und klagte über seine Verzweiflung über all die nicht beantworteten Fragen im Leben.

Der Meister schwieg. Dann sagte er: „Ich mache dir einen Tee.“ Ungeduldig wartete der Professor bis der Meister mit einer Tasse zurückkehrte. Tee trinken? Fragte sich der weit gereiste Gast insgeheim. Ich bin doch gekommen, um Antworten zu bekommen. Ob diese Reise wohl umsonst war? Gedanken schwirrten durch seinen Kopf und als er gerade aufstehen möchte, kehrte der Zen-Meister mit einer Kanne frisch aufgebrühten Tee und einer Tasse zurück. Eine Tasse Tee nach der langen Reise schadet ja nicht, bevor ich gehe, dachte sich der Professor und blieb.

Der alte Mann begann einzuschenken. Der dampfende Tee erstürzte sich in die Tasse. Immer weiter. Immer weiter. Auch als die Tasse längst voll war und sich das heiße Getränke über den Rand auf die Untertasse ergoss, hörte er nicht auf zu gießen. Erschrocken sprang der Professor von seinem Stuhl vom Tisch weg. „Halt! Genug!“, rief er. „Die Tasse ist doch voll! Sehen Sie das nicht?“

Da hielt der Meister inne und schaute seinem Gast zum ersten Mal ins Gesicht. Seine faltigen Augen umspielte ein Lächeln. Plötzlich sah der Mann gar nicht mehr so gebrechlich aus. Weisheit und Lebenserfahrung strahlte jede Faser seines Körpers aus.

Genauso wie mit dieser Tasse, ist es auch mit dir.

„Genauso wie mit dieser Tasse, ist es auch mit dir“, sprach der Meister ruhig. „Du bist voll gefüllt. Mit Fragen, mit Wissen, mit Vorurteilen. Wie kann ich dir da noch Antworten geben, wenn kein Platz mehr ist? Erst wenn du deine Tasse leerst, hast du wieder Platz. Für Neues, für Einsichten, für Antworten.“

Nach einer Zen-Geschichte 

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